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Ein Oratorium fürs Auge

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Von Beate Krannich

FESTKONZERT Mendelssohns „Paulus“ mit Ballett vorm Altar – die ungewöhnliche Aufführung der Cappella Nova Unterkochen, des Chors der Marienkirche und der Balletttänzerinnen und -tänzer begeistert.

AALEN - Ein Musikerlebnis zum Hören und Sehen – stehenden Beifall und Bravo-Rufe der Zuschauer gab es in der Salvatorkirche für alle Mitwirkenden am Paulus-Oratorium von Felix Mendelssohn Bartholdy. Besonders aber für die 35 großen und kleinen Tänzerinnen und Tänzer der städtischen Musikschule Aalen, die mit ihren Choreografien faszinierende Bilder zur Musik entstehen ließen.

Es ist eine Premiere, die das Publikum in der ausverkauften Kirche erlebt. Eigens für die Aufführung in Aalen entstand eine Ballettinszenierung zum Stück, einstudiert von Raina Hebel und Elena Wirth. Anlass war das Doppeljubiläum der beteiligten Chöre: Die Cappella Nova Unterkochen feierte 40 Jahre, der Chor der Marienkirche Aalen 50 Jahre ihres Bestehens. Beide Ensembles dirigiert Ralph Häcker, unter seiner Leitung wird auch der „Paulus“ aufgeführt.

Das Oratorium erzählt mit den Worten der Bibel die Geschichte des Apostels Paulus. Zunächst heißt er noch Saulus, rasend verfolgt er die Christen in den neu entstandenen Gemeinden. Dann erlebt er eine dramatische Bekehrung, lässt sich taufen und verkündet nun selbst Jesus Christus als den Erlöser.

Mendelssohn vertont das Geschehen in gewaltigen Chören, spannenden Rezitativen und wunderschönen Arien. Unter dem inspirierenden Dirigat von Chordirektor Häcker singen Cappella Nova und der Chor der Marienkirche, begleitet von den Instrumentalisten der Musicamerata. Dazu die vortreffliche Sängerriege mit der Sopranistin Angelika Lenter, Altistin Kathrin Koch, die für die erkrankte Christine Müller eingesprungen ist, Tobias Mäthger als Tenor und der Aalener Bassist Andreas Beinhauer.

Ein bisschen geraten die musikalischen Akteure in den Hintergrund, denn das Ballett zieht Blicke und Aufmerksamkeit des Publikums unweigerlich auf sich. In Hellblau und Rot gekleidet, bewegen sich die Tänzerinnen und zwei Tänzer elegant zur Musik – vor dem Altar und gelegentlich auch im Kirchenschiff.

Würdevoll schreitend oder mit leichtem Schritt, in kleinen Gruppen oder großen Formationen, strahlenförmig oder in Reihen illustrieren sie die Chöre und setzen optische Akzente.

Vor allem berührt der Ausdruck der Gesten. Die Hände und Arme, die sich zum Himmel strecken als Ausdruck von Lob und Anbetung. Die geballten Fäuste, als Paulus sich einer wütenden Volksmenge gegenübersieht. Eindrücklich auch die Szene, in der Paulus, kurzzeitig von Blindheit geschlagen, wieder sehend wird: die Hände vor den Augen, die nach und nach den Blick freigeben.

Den Tanzenden und ihren Ballettlehrerinnen Raina Hebel und Elena Wirth, Letztere tanzte auch mit, ist eine überzeugende, dem Werk angemessene Choreografie in der Salvatorkirche gelungen.

Schwäbische Post 08.01.2018