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Tochter Zion in lichtvollem Goldglanz empfangen

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Cappella Nova brilliert mit Jubiläumskonzert „250 Jahre barocke Wallfahrtskirche Unterkochen“

Aalen-Unterkochen (jm) – Der vor nahezu 40 Jahren gegründete Chor „Cappella Nova“ hat seinen traditionellen Adventskonzerten eine neue goldene Krone aufgesetzt. Wahrlich ein würdiger Beitrag zum dieses Jahr gefeierten Jubiläum „250 Jahre barocke Wallfahrtskirche Unterkochen“ war das Konzert am dritten Adventssonntag im voll besetzten Gotteshaus.

Passend zum Jubiläum und zum Termin hatte der Chorleiter Ralph Häcker das Konzert unter das Motto „Tochter Zion, freue dich“ gestellt. Damit schloss sich der Kreis, der mit der Kantate „Frohlocke, Zion“ begann. So richtig als glanzvoller Auftakt eignete sich das von Gottfried August Homilius komponierte Werk. Sein Geburtsjahr 1714, identisch mit dem zweier anderer Komponisten aus dem Programm, bildete ein weiteres, diesmal 300-jähriges Jubiläum.

Die sechs Sätze der Homilius-Kantate gab allen drei am Konzert beteiligten Gruppierungen Gelegenheit, sich gebührend in Szene zu setzen: Chor, Solisten und Orchester. „Tochter Zion“ könnte eine Tänzerin gewesen sein, dachte man spontan bei der stark rhythmisch betonten Intrada, die vom Orchester vorgegeben und vom Chor zupackend aufgegriffen wurde. Ralph Häcker sorgte gleich von Anfang an für den präzisen Zusammenklang.

Rüdiger Linn überraschte in seinem Rezitativ mit seinem weichen, angenehmen Tenor, der sich allerdings, dem Text entsprechend („Das Wort des Heils, das Herrlichkeit verspricht“) kraftvoll entfaltete. Intim und sanft, doch sehr prägnant gestaltete Simone Häcker-Brune (Alt) ihren Solopart. In der Arie „Du bist mein Reichtum, Lust und Ehre“ ließ sie die Höhen funkeln und trillernd aufleuchten.

Die beiden Choräle wusste Cappella Nova sehr selbstbewusst und in guter Artikulation vorzutragen. Als feinfühliger Begleiter bewährte sich die exquisit besetzte Musicamerata: Christine Junkert, Dietlinde Fuchs (Flöte), Markus Wamsler, Christiane Wohlfahrt (Oboe), Frank Sperka (Fagott), Fabian Knopf, Marie Neher (Horn), Stefan Bornscheuer, Monika Böhm, Birgit Trost (Violine I), Constanze Locher, Barbara Böhm, Laura Reich (Violine II), Martina Rube, Isolde Schmerek (Viola), Chihiro Saito, Martin Edelmann (Violoncello), Ute Ruth (Kontrabass) und Helmuth Hammerl (Orgel).

Einem reichen Klanggemälde glich das Te Deum von Niccolo Jommelli, der im 18. Jahrhundert römische Kathedralmusik an den pietistisch geprägten württembergischen Herzogshof nach Stuttgart und Ludwigsburg brachte. Reizvoll wirkten die solistisch besetzten Passagen, besonders das innig flehentliche „Te ergo quaesumus“ der Altistin. Beim eindrucksvollen Schlussteil „In te Domine speravi, non confundar in aeternum“ legten die Chorstimmen, sich gegenseitig übertrumpfend, ein mitreißendes Finale hin.

Im prachtvollen Magnificat von Carl Philipp Emanuel Bach konnte Angelika Lenter die diamantene Schärfe ihres Soprans zur Geltung bringen. Sie meisterte selbst heikelste Oktavsprünge und rasante Glissandi in höchster Präzision. Energisch und kraftvoll schmetterte Christian Dahm wuchtige Vokalstöße mit seinem voluminösen, aber doch sehr differenziert eingesetzten Bass.

Beim lichtvollen Empfang von Händels „Tochter Zion“ glänzten die sehr engagierten Frauenstimmen des Chores um einiges mehr als die nicht immer so intonationssicheren Hörner. Das ließ aber der begeisternde Einsatz der Männer im abschließenden und einfach hinreißenden Tutti völlig vergessen. Der von nachdenklichem Glockenklang aufgestaute Beifall des Publikums entlud sich in exzessiver und langer Dankbarkeit, die dem Chor ein Da Capo des Schlussteils abnötigte.